Unser anderes Deutschland

Dresden - die Diva?! (von Steffi Brachtel)

Dresden - die Diva?! (von Steffi Brachtel)
Dresden, schönste Barockstadt Europas, Perle an der Elbe, sächsisches Venedig, Elbflorenz. Diese Stadt hat viele Namen - und viele Gesichter. Und genau da liegt das Problem.
Ich bin in Dresden geboren, in Freital aufgewachsen. Von klein auf zeigten mir meine Eltern die Schönheit der Stadt. In der Schule, ich bin Jahrgang 75, hörten wir immer wieder vom "anglo-amerikanischen Bombenterror", der die unschuldige Stadt in Schutt und Asche legte. Uns wurde gezeigt, wie die fleißigen Menschen der DDR alles wieder aufbauten. Ja, ich geb zu, auch für mich galt Dresden lange Zeit als was ganz Besonderes. Und die Überheblichkeit der Stadt, sprang auch auf mich über. Leipzig, Berlin? Nein, nichts kam an Dresden heran. Ich beschäftigte mich nicht mit dem Opfermythos, für mich war immer klar, wo Opfer, da auch Täter.
Heute, nach all den Jahren, sehe ich Dresden als Diva. Als launische Diva. Äußerlich wunderschön anzusehen. Die vergoldeten Kuppeln glänzen im Sonnenschein und blenden die Menschen. Kreuzchor und Philharmonie tragen den Ruf der Kulturmetropole raus in die weite Welt. Fraunhofer Institut, Siemens und andere zeigen, dass hier geforscht wird. Große Firmen siedeln sich an und bringen Arbeitsplätze. Ach, ist das schön hier. Geschichte, Architektur, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Wir haben alles hier. Welche Stadt kann das schon bieten? Und dazu noch die wunderschöne Landschaft. Ja, es könnte wirklich schön sein. Wenn, ja, wenn die Diva nicht auch ihr zickiges, hässliches Gesicht zeigen würde. Für die Menschen, die hinter die Fassaden schauen, lässt sie die Maske fallen. Die oftmals liebevoll gemütlich dargestellte Behäbigkeit der Dresdner entpuppt sich in Wahrheit als fehlende Zivilcourage. Die nach außen dargestellte Kunst-und Kulturlandschaft übertüncht fehlende politische Bildung, welche dann noch zu allem Überfluss als korrekte Auslegung der Demokratie angepriesen wird. Wie sonst ist es möglich, dass seit 4 Jahren Pegida - überwiegend unbehelligt - die Straßen dieser Stadt Woche für Woche verschandeln darf. Wie ist es möglich, dass hier Solidarität mit einer Holocaustlügnerin gefordert werden darf und geduldet wird? Wie ist es möglich, dass rechten Parolen nicht widersprochen wird? "Aber das ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung!", tönt es dann aus Volkes Munde. Nein, ist es nicht! Ein kleiner Teil der Bevölkerung stellt sich seit 4 Jahren dagegen. Woche für Woche. Und was ernten sie dafür? Ein hässliches Grinsen der launischen Diva. Diese Menschen bekommen nicht etwa Respekt und Anerkennung für ihr Handeln, nein, nicht hier in Dresden. Hier hagelt es dafür Anzeigen, Häme und Repressalien. Nichts darf das schöne Bild zerstören. Die Diva möchte beklatscht werden. Sie braucht den Applaus wie der Mensch das Wasser. Und wenn sie die Wahl hat zwischen 1500 verstörten Seelen und 300 demokratischen Menschen, dann wählt sie 1500 verstörte Seelen. Denn deren Applaus ist größer. Oder ist es am Ende bloße Angst? Angst, unsere Grundwerte zu verteidigen? Angst, sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entgegen zu stellen? Aber liebe Diva, lass dir gesagt sein, Angst ist manchmal ein schlechter Berater, denn oftmals macht Angst blind. Blind dafür, dass es nicht nur 1500 verstörte Seelen sind, dass  in Wahrheit schon ein großer Teil der Bevölkerung braun durchzogen ist. Liebe Diva, frage dich, warum so viele extreme Rechte in deinem Schatten Schutz suchen. Warum fühlen sich "Gruppe Freital", "Heidenauer Wellenlänge", "Freie Kameradschaft" und ähnliche Gruppierungen hier wohl? Warum verliert die CDU hier immer mehr an Christlichkeit? Liebe Diva, du machst es mir schwer, die Schönheit in dir zu sehen, du machst es mir schwer, dich zu lieben. Aber lass dir einen Rat geben, Mut ist kein Verbrechen! Sei mutig, bevor es zu spät ist und wir alle nichts mehr von deiner Schönheit sehen können.